Mittwoch, 9. September 2015

Der Streikkönig



Wer streikt so früh in Köln und Bonn?
Der Flugzeugpilot mit seinem Sohn
sitzt mit dem Knaben vor dem TV
und sieht sich in der Tagesschau.

Mittwoch, 14. Mai 2014

Abstieg in Schwarzgelb

Ich habe geflucht und geschimpft und fast geweint. Danach hat meine Liebste geflucht, mit mir geschimpft und fast geweint. Du wegen mir. Ich wegen dem Schiedsrichter, dem Trainer, der einfach vergaß, einen Verteidiger einzuwechseln, den Chaoten und von Arschlöchern geschmuggelten Böllern und den elf hodenamputierten Männer in Schwarz-Gelb. 2:3 gegen die Stadt, die es nicht gibt. Das gibt es doch nicht. Aus. Vorbei. Abstieg.

Dienstag, 29. April 2014

"Bauer kann beidbeinig performen" - Trainer Fuchs im Gespräch mit Reporter X. Beliebig

Bild: SurfGuard


Nach Tiki-Taka, vollautomatischen Abseitsfallen, falschen 9ern und mitspielenden Torhütern ist der Fußball nahezu perfektioniert. Aus lauter Langeweile konzentrieren sich Trainer nun verstärkt auf ihre Rhetorik nach Spielende.

Montag, 10. Februar 2014

Macht die Schweiz dicht



Die Schweiz macht dicht. Und ein Aufschrei rollt durch Europa. Der deutsche Finanzminister prophezeit dem Land „eine Menge Schwierigkeiten“. Was er damit meint? Ganz einfach: Wir machen die Schweiz dicht. Wir brauchen kein Land, das in Kantone aufgeteilt ist, die Appenzell Ausserhoden heißen.

Freitag, 6. Dezember 2013

Ode an den Schlesischen Christkindelmarkt


Heute öffnet der Schlesische Christkindelmarkt in der Görlitzer Altstadt seine Tore. Wie schon im letzten Jahr darf ich mit Axel Krüger das Bühnenprogramm bereichern. Hier nochmal die geschüttelten Christkindelmarktreime von 2012.

Bild: Marie Luise


Glühwein weiß macht mich so heiß
letztens als es hier noch weißer,
knackig kalter Winter war
viel kälter als in Sansibar
soff ich ihn, schlau wie ein Fuchs
um aufzutauen den stolzen Luchs
der zittert in der Unterbuchs.

Füße wippen, lässig kippen
Kippen sind hier Mangelware
seltner als auf Glatzen Haare
and from Hollywood the stare.
Görlitz kills her Jetlag
sie taken uns die Plätze weg
im Flübo und im Spicy Eck.

Posaunen blasen um die Wette
mit Bimmel Bammel Teterette
Finger friern am Blaserohr
more more more
friern nur die Lippen
wenn diese nach dem Mundstück nippen
bei Jingle Bells bellts aus der Ferne
drei Beine locken zur Taverne.

Doch ich bleib standhaft kleben
am Glühwein und am Leben
hör ich mir das Klagen an
von einem eingeborenen Mann
der bitter sich bei mir beklagt
dass er, weil doch schon sehr betagt,
kennt die guten alten Zeiten
als Märkte sich noch nicht kasteiten
auf nur zehn Tage jämmerlich
sei das, ach was: ganz widerlich.

Den Glühwein sturzgegossen
wink ich dem Herrn Genossen
noch einmal von der Bühne zu
die ich erklommen hab im Nu
um zu erzähln, ganz ohne Schiss
die Story seines Pensionopolis
wo jede Wurst vom Hunde
taugt für eine Kunde
im Blatte, das auf manchem Tisch
nur wartet auf den nächsten Fisch.

Der Untermarkt ist mein Revier
hier werde ich zum wilden Stier
und lass mich an den Hörnern packen
vom Christkind auf den hohen Hacken.
Wenn ich hier auf der Bühne steh
und in die trunkenen Augen seh
dann wird mir warm und sogar heiß
weil ich gleich ganz in weiß
den Glühweinbecher hoch erhebe
damit der Markt noch ewig lebe
der herrliche, unaufgeregte
der trotzdem mich so sehr erregte
denn ohne aggro Herzinfarkt
ist alles doch nur Striezelmarkt.

Samstag, 15. Juni 2013

Da ist das Ding!



Nach zweimal Blech im Finale hat es gestern geklappt beim Limit Jazz Slam in der Dresdener Schauburg. Es war ein Hammer Starterfeld. Und das Finale mit Sarah Bosetti, Linn Penelope Micklitz, Daniel Hoth, Jonas Konrad und meinem alten Spezi Axel Krüger war eigentlich ein Spitzenslam im Slam. Glücklich und zufrieden. Danke an Juri + Konstantin, die famosen Limit Jazz Allstars und das geile Dresdener Publikum.

Sonntag, 26. Mai 2013

Ich will den FC Bayern wieder hassen

https://en.wikipedia.org/wiki/FC_Bayern_Munich#/media/File:Testspiel_gegen_FC_Bayern_M%C3%BCnchen_03.JPG



Der Henkelpokal strahlt nun also unter dem Stern des Südens. War ein feines Spiel, auch wenn ich als alter Kommunist natürlich dem Außenseiter die Daumen gedrückt habe. Aber nur, weil ich vor dem Spiel nicht mal ansatzweise geahnt habe, wie viele blinde Dortmund-Fans es im Internet gibt. „Schiebung!“ „Zwei rote Karten!! Mindestens!!!!“ „Abseitstor!!!!!!!!!!!!!!!!!!!“ „Scheiß Duselbayern!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!“ „Warum durfte der Verbrecher Hoeneß eigentlich ins Stadion???????????????????????????????????????“ „Platini schenkt Ribery den Titel!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!“
Wenn das Urteilsvermögen für Fußball nicht reicht, probiert es doch mal bei der Anti-Atomstrom-Bewegung. Die ist auch gelb-schwarz.

Donnerstag, 9. Mai 2013

Wodka und Sterni


Nach über einem Jahr mal wieder einen Pokal gewonnen (siehe oben). Die Flasche mit milchgereinigtem Wodka von Mütterchen Russland ist zwar so gut wie leer. Aber sie landet dennoch im Trophäenschrank und wird mich an den kleinen feinen Slam BONNE POESIE im Bon Voyage erinnern.

Die Nacht in der Dresdener Neustadt verging viel zu schnell. Trotz Siegesfeier schaffte ich den letzten Zug zurück in die niederschlesische Provinzhauptstadt. Danke an den netten Punk vor dem PAWLOW, der mir eine Flasche Sterni geschenkt hat, damit ich auf dem Fußmarsch zum Bahnhof nicht verdurste. Und Danke an den einzigen Mitreisenden, der mit mir in Görlitz um 2.30 Uhr durch die Stadt marschierte und mit seinem Rollkoffer die gespenstische Stille in beeindruckender Weise unterminierte.

Nächste Woche gehts weiter in Berlin. Yippie.

Donnerstag, 18. April 2013

Der Kritiker


 
Neulich bin ich einem Kritiker in die Fänge geraten. Hatte kurz vergessen, dass Mutti mich immer gewarnt hat, mit Fremden mitzugehen, die besonders klug aus dem Stehkragen gucken. „Ich habe deine Texte gelesen.“ „Ach so, das ist ja wunderbar“, freue ich mich aufrichtigen Herzens und tappe damit in die ausgelegte Falle, deren Köder mit einem honigverschmierten Kussmund drapiert auf meinem Weg rumsteht. Eigentlich wollte ich zum Geigenunterricht, aber da ich keine Geige besitze, war das sicherlich nur eine faule Ausrede für mein Gewissen, das immer beißt, wenn ich in die Kneipe will.

Montag, 1. April 2013

Post vom alten Freund Winter



Lieber Freund Altmann,

danke für deine differenzierte Beschimpfung. Natürlich bin ich unter Pseudonym in Facebook unterwegs. Dort tummeln sich Kachelmanns Schwippschwäger und lassen ihre Wetterberichte ungebeten auf mich nieder regnen – ausgerechnet. Ihr bepflastert mich mit Fotos eurer Garagenausfahrt, die unter den Neuschneebergen als solche nicht mehr erkennbar ist. „SCHIPP SCHIPP SCHURRA“ postet einer mit Galgenhumor. Ein anderer Eigenheimbesitzer klagt dagegen über Schwielen an den Händen. Was geht mich dein Leid an, möchte ich ihn fragen? Es musste ja unbedingt ein Grundstück mitten in der Pampa sein, mit unverbaubarem Blick auf eine Wiese, auf der im Sommer 24 Kühe widerkäuen, furzen und dämlich glotzen. Dummerweise war der Kredit aufgebraucht, als dein Carport einen Dachschaden meldete. Also schipp‘ und kratz‘ dich frei, aber verschone mich bitte mit deinem Gejammer.

Donnerstag, 28. März 2013

Brief an Herrn Winter























Sehr geehrter Herr Winter,

möglicherweise wundern Sie sich, dass ich Ihnen einen Brief schreibe, aber ich weiß mir nicht mehr anders zu helfen. Seit vier Wochen ist – zumindest meteorologisch – Ihr Kollege, Herr Frühling im Schichtplan eingeteilt. Aber Sie wollen einfach keinen Platz machen. Was ist los mit Ihnen? Haben Sie das Adolf-Hennecke-Syndrom und wollen der Welt beweisen, was Sie für ein toller Hecht sind? Sie wissen schon, was mit Hennecke passiert ist? Klar wurden Straßen, Schulen und Orden nach ihm benannt. Aber willst du wirklich so enden wie er? (Ich hoffe, das Du ist okay, immerhin kennen wir uns jetzt schon fast 40 Jahre.) Willst du wirklich zum unbeliebten Normbrecher beim Volk werden? Dann mach nur weiter so. Henneckes Vorgabe liegt bei 387 Prozent Normerfüllung. Damit wäre dann das ganze Jahr Winter, bis auf ein paar verregnete Tage im November.

Montag, 25. März 2013

Weil du mich liebst



Samstagmorgen in Kubschütz. Wie schön sie früher mal war, denkt Roger, 42, während er seine Frau aus den Augenwinkeln betrachtet. Er sitzt am Frühstückstisch und liest die Tageszeitung. Hat sie früher auch schon mit hängenden Mundwinkeln das Wochenende begrüßt? Egal, solange ich in Ruhe die Zeitung lesen darf und sie mir meinen Hackepeter zubereitet, ist ja eigentlich alles in Butter. Außerdem darf ich bei ihr so sein, wie ich nun mal bin. Wäre sie so etepetete wie diese Westtussis, die sich voll aufgebrezelt mit Highheels am Cerankochfeld bewegen, könnte ich mir meine Bequemhosen am Tisch abschminken.

Dienstag, 19. März 2013

Fraugott nochmal


Neulich fand ich in der widerlich aufgeräumten Wohnung meines sehr alten Freundes einen handgeschriebenen Zettel. Oben stand eine Telefonnummer und – sehr liederlich – HERR darunter. Mir fielen sofort Schuppen von den Haaren, was seit 1995 nicht mehr vorgekommen war. Prahlte meine alter Freund nicht immer mit seinem direkten Draht nach ganz oben? Stand ich mit Hilfe dieses Zettels, abgerissen von einem Ratiopharm-Block, etwa vor der Lösung all meiner kleinen Probleme? Ich steckte den Zettel ein, noch bevor nebenan die Klospülung das Abflussrohr flutete und verabschiedete mich mit einer sehr faulen Ausrede, ohne das Hefeweizen auszutrinken.

Mittwoch, 13. März 2013

Der Aufstand der Türe



Als ich gestern auf meinem Sofa saß, hat mein Fernseher mit mir geredet. Das mag euch jetzt nicht besonders sensationell vorkommen. Mein TV-Gerät ist aber gar nicht eingeschaltet. „Mach mich an“, mault die Glotze. „Und bitte nicht schon wieder ARTE. Ich verstehe diese Lars von Trier-Filme nicht. RTL wäre klasse, dann kann ich endlich mitreden, wenn ich das nächste Mal zum Mattscheibenschießen gehe.“

Mittwoch, 6. März 2013

Noch acht Tage - Die Hoffmann stirbt zuletzt





Am 14. März 2013 erblickt das zweite Baby von Krüger und mir die Bücherregale dieser Welt. Aus diesem feinen Anlass dichtete unser geliebter Birnbaum-Verlag folgende Zeilen:

Dienstag, 5. März 2013

Nie mehr 15



In letzter Zeit werde ich häufig gefragt, warum ich so unglaublich jung aussehe. Na gut, sagen wir, es kommt manchmal vor. Wenn manchmal als Synonym für selten bis kaum durchgeht. Weil es also nie vorkommt, besteht die Kunst darin, vorbereitet zu sein, diesen Moment, wenn er sich denn doch ereignen sollte, möglichst lange zu genießen, indem man sich mit Händen und Füßen gegen dieses Kompliment wehrt, es hinterfragt, den Wahrheitsgehalt anzweifelt, um das verbale Präsent am Ende unter lautem Protest entgegenzunehmen und es in der Lebens-Vitrine staub- und milbensicher aufzubewahren.

Donnerstag, 28. Februar 2013

Der Autor mit dem Fahrrad


Am 14. März bringt der Birnbaum-Verlag Leipzig das zweite gemeinsame Buch von Axel Krüger und mir auf den Markt. "Die Hoffmann stirbt zuletzt", ein Titel, der an einem dieser legendären Abende zwischen Kochen, Weizenbier und Dirndlwitzen entstand. An Abenden wie diesen hat Krüger wohl auch die Jazzhappen, das Kostblog und seine einzigartigen Thunfischnudeln erfunden. Höchste Zeit, meinem sehr alten Freund eine kleine Hommage zu widmen - schön, dass es dich gibt.

Freitag, 22. Februar 2013

Briefe an Freunde



Neulich erhielt ich nach einer kleineren Feierlichkeit einen Brief mit der anklagenden Betreffzeile:

BUSSGELDBESCHEID

Mittwoch, 20. Februar 2013

Limitjazz Poetryslam - Schau wars in der Schauburg

Ich habe immer noch Erpelpelle vom letzten Freitag. Der Jazzslam in der Dresdener Schauburg war genial. Publikum, Slammaster Juri, die Limit Jazzslam Allstars, die fantastischen Poeten - es war rund wie ein Kullerkeks von Bahlsen. Dass es dann auch noch fürs Finale gereicht hat, war ein leckeres Sahnehäubchen. Die Niederlage nach viermal Stechen gegen Paddi Regört (der ist so genial, den müsst Ihr euch ansehen, wenn der mal bei euch in der Nähe auftritt) tat gar nicht weh. Obwohl ich ein miserabler Verlierer beim Kniffeln bin.

Schön, dass es auch Videos von dem Abend gibt, die euch natürlich nicht vorenthalten will. Liebe Grüße nach Dresden an Juri und das Jazzslam-Team. Ich komme gern mal wieder.


Dienstag, 19. Februar 2013

I LOVE ZITTAU

Vor knapp einer Woche lief im Star Club der 2. Zittauer Poetry Slam. Eine fantastische Sause mit 150 Gästen, wunderbaren Poeten, einem top motivierten Moderator Thomas Jurisch, erstklassigem Kätaring im Hinterzimmer, perfekt gekühltem Weizenbier und Komplettmitschnitt von Oberlausitz TV, den es wohl auch bald zu sehen gibt. An dieser Stelle 1001 Dank. Ich will da wieder mal hin, auch wenn es nur fürs Halbfinale gereicht hat, aber gegen Paddi Regört und Torsten Wolff ist noch kein Kraut erfunden, weder zum Rauchen noch zum Aufbrühen. Das Team vom Star Club Zittau hat schon mal einen kleinen Mitschnitt in dieses Internetz gestellt. Da sind alle zu sehen, die dabei waren. Nicht gerade körperfreundlich von unten gefilmt, aber das ist schon wieder Jammern auf hohem Nivea.